| Mittelwertsatz | |
|---|---|
| Satz von Rolle |
Lektion
Die Theorie — Mittelwertsatz
Der Mittelwertsatz: Ist f stetig auf [a, b] und differenzierbar auf (a, b), dann verläuft die Tangente an mindestens einer Stelle c echt zwischen a und b parallel zur Sekante: f′(c) = (f(b) − f(a))/(b − a). Der Satz von Rolle ist der Spezialfall f(a) = f(b), in dem f′(c) = 0 gilt.
Woher die Formel kommt
- Prüfe die Voraussetzungen. f darf auf ganz [a, b] einschließlich der Randpunkte keine Sprungstelle haben und muss an jedem Punkt im Inneren differenzierbar sein. Polynome, eˣ, sin und cos erfüllen das auf jedem Intervall. Halte Ausschau nach Divisionen durch null, Wurzeln aus negativen Zahlen oder Knicken wie bei |x|.
- Bestimme die Sekantensteigung. m ist der Höhenunterschied von f(a) zu f(b) geteilt durch die Schrittweite von a nach b – im Bild die gestrichelte Gerade.
- Warum ein c existieren muss. Der vertikale Abstand g zwischen Kurve und Sekante ist an beiden Enden 0. Eine stetige Funktion auf einem abgeschlossenen Intervall nimmt stets ein Maximum und ein Minimum an. Ist g nicht überall 0, liegt mindestens eines davon im Inneren, wo die Kurve am weitesten von der Sekante entfernt ist. Dort gilt g′ = 0, also f′(c) = m. Im Bild ist das der Punkt, an dem die Tangente parallel liegt.
- Löse f′(c) = m und behalte nur Werte echt zwischen a und b. Ein Ergebnis außerhalb des Intervalls oder auf dem Rand zählt nicht als c.
Aufgaben vollständig gelöst
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c bestimmen und die äußere Lösung verwerfen 2 Schritte
Zeige, dass f(x) = x³ die Voraussetzungen des Mittelwertsatzes auf [0, 3] erfüllt, und finde jedes versprochene c.
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f ist ein Polynom, also überall stetig und differenzierbar. Die Sekantensteigung:
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Löse f′(c) = m:
Antwort
c = √3 ≈ 1,7321. Die Lösung −√3 löst zwar ebenfalls 3c² = 9, liegt aber außerhalb von (0, 3).
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Satz von Rolle: gleiche Randwerte 2 Schritte
Bestätige den Satz von Rolle für f(x) = sin x + cos x auf [0, π/2].
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sin und cos sind überall stetig und differenzierbar. Die Randwerte stimmen überein:
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Die Sekante verläuft also waagerecht und für ein c gilt f′(c) = 0:
Antwort
c = π/4 ≈ 0,7854, der Hochpunkt des Bogens.
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Zwei Werte für c 2 Schritte
Bestimme jedes vom Mittelwertsatz versprochene c für f(x) = x³ − 3x auf [−2, 2].
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Ein Polynom, also sind beide Voraussetzungen erfüllt. Die Sekantensteigung:
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Löse f′(c) = m:
Antwort
c = −2/√3 ≈ −1,1547 und c = 2/√3 ≈ 1,1547. Beide liegen in (−2, 2); das »mindestens ein« des Satzes liefert hier also zwei Werte.
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Eine Exponentialfunktion: c über den Logarithmus 2 Schritte
Bestimme den vom Mittelwertsatz garantierten Wert c für f(x) = eˣ auf [0, 1].
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eˣ ist überall stetig und differenzierbar. Die Sekantensteigung:
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Löse f′(c) = eᶜ = m durch Logarithmieren:
Antwort
c = ln(e − 1) ≈ 0,5413, was in (0, 1) liegt.
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Ein Knick im Inneren: kein c 2 Schritte
Zeige, dass für f(x) = |x| kein c in (−1, 2) mit f′(c) = (f(2) − f(−1))/3 existiert. Warum widerspricht das nicht dem Mittelwertsatz?
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Die Sekantensteigung:
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Außerhalb der 0 beträgt die Steigung von |x| stets −1 oder 1, niemals 1/3:
Antwort
Es existiert kein c. |x| ist an der Stelle 0 im Inneren von (−1, 2) nicht differenzierbar. Damit ist die Differenzierbarkeit verletzt und der Satz sichert nichts zu.
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Definitionslücke im Inneren: Rolles Aussage scheitert 2 Schritte
f(x) = 1/x² hat f(−1) = f(1). Gibt es ein c in (−1, 1) mit f′(c) = 0? Erkläre.
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Die Randwerte stimmen überein, die Sekante ist also waagerecht:
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Doch f′ wird niemals 0:
Antwort
Nein. f ist bei 0 nicht definiert und somit auf [−1, 1] nicht stetig. Der Satz von Rolle greift nicht und seine Aussage tritt nicht ein.
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Keine Ableitung am Rand: Der Satz gilt dennoch 2 Schritte
Gilt der Mittelwertsatz für f(x) = √x auf [0, 4]? Falls ja, bestimme c.
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√x ist stetig auf [0, 4] und differenzierbar auf (0, 4); f′(0) existiert nicht, doch an einem Rand wird keine Ableitung verlangt. Die Sekantensteigung:
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Löse f′(c) = m:
Antwort
Ja; c = 1.
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Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen zwei Kameras 2 Schritte
Ein Auto passiert eine Kamera und 6 Minuten später eine zweite, 12 km weiter entlang der Straße. Das Tempolimit liegt bei 100 km/h. Zeige, dass das Auto zu irgendeinem Zeitpunkt dazwischen exakt 120 km/h fuhr.
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Sei s(t) die zurückgelegte Strecke in km nach t Stunden. Das Auto bewegt sich ohne Sprünge und hat zu jedem Zeitpunkt eine Geschwindigkeit, daher ist s stetig und differenzierbar. Die Durchschnittsgeschwindigkeit über die 0,1 h ist die Sekantensteigung:
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Nach dem Mittelwertsatz gibt es einen Zeitpunkt c zwischen den Kameras mit s′(c) gleich diesem Wert:
Antwort
Zu irgendeinem Zeitpunkt betrug die Geschwindigkeit exakt 120 km/h. Das Auto hat das Tempolimit also überschritten, selbst wenn kein Blitzer einzeln ausgelöst hat.
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Schranke aus einer Schranke für f′ 2 Schritte
f ist differenzierbar, f(1) = 10 und f′(x) ≤ 3 für jedes x. Wie groß kann f(5) höchstens sein?
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Auf [1, 5] liefert der Mittelwertsatz ein c mit:
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Wegen f′(c) ≤ 3 folgt:
Antwort
f(5) ≤ 22, und f(x) = 3x + 7 erreicht diesen Wert.
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Weitere Aufgaben, nur mit Lösungen
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Bestimme c für f(x) = x² − 4x + 1 auf [0, 5].
Ergebnis anzeigen
c = 2,5
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Bestätige den Satz von Rolle für f(x) = x³ − 4x auf [0, 2] und bestimme c.
Ergebnis anzeigen
c = 2/√3 ≈ 1,1547
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Bestimme c für f(x) = ln x auf [1, e].
Ergebnis anzeigen
c = e − 1 ≈ 1,7183
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Bestimme c für f(x) = 1/x auf [1, 3].
Ergebnis anzeigen
c = √3 ≈ 1,7321
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Gilt der Mittelwertsatz für f(x) = |x − 2| auf [0, 3]? Gibt es ein c?
Ergebnis anzeigen
Nein: Knick bei x = 2; die Sekantensteigung beträgt −1/3 und f′ nimmt nur ±1 an, daher gibt es kein c
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f(0) = 5 und f′(x) ≥ −2 für jedes x. Was ist der kleinstmögliche Wert von f(6)?
Ergebnis anzeigen
−7
Lernpfad
Was f′ und f″ über einen Graphen verraten
Quellen (2)
- Rolle's theorem (Theorem 4.4) and the mean value theorem (Theorem 4.5) with their hypotheses, continuity on [a, b] and differentiability on (a, b); and the corollaries insight block 2 is about: a zero derivative on an interval means a constant (4.6), equal derivatives differ by a constant (4.7), and f′ > 0 means increasing (4.8): G. Strang and E. Herman, Calculus Volume 1, OpenStax (2016), section 4.4, “The Mean Value Theorem”.
- Insight block 3: William Heytesbury formulated the middle degree theorem (the mean speed theorem) for uniformly accelerated motion in his Regulae solvendi sophismata; his extant writings date from the 1330s, and the theorem was later developed by Galileo: M. Hanke and E. Jung, “William Heytesbury”, The Stanford Encyclopedia of Philosophy, first published 19 January 2018, revised 19 June 2026.